Pflaume

Prunus domestica ssp. domestica

Bahme: hunsr., Damaszener Pflaume, Erik: türk., Mortié: frz., Plomme: norw., Plum: engl., Plumme: norddt., ostdt., Promme: rhein., Prugna: ital., Pruim: niederl., Prumen: münsterld., Prumme: köln., Prune: frz.

Allgemeines, Herkunft, Geschichtliches

Die Urpflaume stammt aus der Peripherie rund ums Kaspische Meer. Man vermutet, dass sie dort einstmals aus einer Kreuzung der Kirschpflaume mit der Schlehe hervorgegangen ist. Im 2. Jahrhundert v. Chr. kam die damals noch recht kleinfruchtige Pflaume durch Kreuzfahrer von Damaskus (Damaszen: syr.) aus auch nach Italien und Griechenland.

Seitdem der Pflaumen-Baum in Europa angebaut wird, ist er häufig mit fremden Früchten und Solchen, aus der eigenen Sippschaft gekreuzt worden, sodass schon der römische Schriftsteller ‚Plinius‘ (24 – 79 n. Chr.) nicht mehr durch diesen Irrgarten fand. Im 18. Jahrhundert versuchte man dann endlich durch polizeiliche Verbote, die Kreuzungsversuche einiger Pflaumen-Sorten zu verbieten!

In ‚Bühl‘ (bei Baden-Baden) findet alljährlich am 2. September-Wochenende ein Zwetschgen-Fest statt, bei dem sogar eine Zwetschgen-Königin gewählt wird, die auch als Blaue Königin bezeichnet wird.

Das Wort ‚Pflaume‘ ist durch Lautverschiebungen fremdländischer Benennungen entstanden, was sich unschwer an der komplexen Synonyme-Anzahl erkennen lässt!

Aussehen

Pflaumen sind glatthäutige, kugelige bis oval-runde, bläulich-violette, rot-, gelb- oder grünschalige ‚Steinfrüchte‘ mit rundlichen Enden und einer markanten Bauchnaht. Je nach Sorte ist das saftige, weiche, mit einem runden Kern stark verankerte Fruchtfleisch grüngelb bis leicht rötlich. Die helle, pudrige Wachsschicht auf der Pflaumenhaut, der sogenannte Duftfilm oder Reif, ist ein Belag von Mutter Natur, der die Früchte vor Schädlingsbefall und vorzeitigem Austrocknen schützen soll.

Geschmack

Frische Pflaumen sind zwar süß und saftig, im gegarten Zustand schmecken sie jedoch relativ sauer!

Arten, Sorten

Eierpflaume/ Marunke: mitteldt./ Ovalpflaume/ Rundpflaume/ Sackpflaume: Delikate, rundovale Pflaumen-Sorte mit rotgrüner Schale, weichem Fruchtfleisch und einem relativ kleinen Kern, die meist der Herstellung von Trockenpflaumen dient.

Hauszwetsche: Die bekannteste Zwetschen-Sorte! Sie ist festfleischig und besitzt ein überaus fruchtiges Aroma, das   jedocherst beim Erhitzen richtig aktiviert wird!

Hollywood: Ovale, rote, 2 – 3 cm dicke Kirschpflaumen-Sorte, die einen flachen, mit dem Fruchtfleisch fest verwachsenen Kern birgt.

Zwetsche/ Prunus oeconomica: bot./ Ciruela: span./ Hauspflaume/ Königin der Blechkuchen/ Kwetsen: niederl./ Mürdümerigi: türk./ Prune: engl./ Pruneau: frz./ Quatsche: hess./ Quatschln: erzgeb./ Quetsche: eifel., pfälz./ Quetschge: thüring./ Schwetsche: norddt./ Svedsker: dän./ Sviskeplomme: norw./ Zwetschga: württemb./ Zwetschge: fachspr., süddt., schweiz./ Zwetschke: österr.: Genügsame Unterart der Pflaume, die sich lediglich durch folgende Abweichungen von ihr unterscheidet: Zwetschen sind etwas kleiner, nicht so saftig, jedoch meist süßer und aromatischer und milder als Pflaumen; außerdem sind Zwetschen leicht steinlösend, länglichoval mit spitzen Enden und weisen keine Fruchtnaht auf! Der Zwetschen-Kern hat eine gestreckte, zugespitzte Form! Da Zwetschen während des Backens kaum an Süße verlieren, nicht zerfallen und nicht durchsuppen, sind sie zum Kuchenbacken wesentlich besser geeignet als Pflaumen!

Ganzjährig frischer Zwetschenkuchen/ Prunnetat: nordrhein.-westf./ Zwetschkendat-schi: österr.? Kein Problem, wenn man (oder Frau) sich während der Zwetschen-Saison die Mühe macht, reife Zwetschen zu Kuchen auf Hefeteigbasis zuzubereiten, ihn anschließend erkalten lässt und gleich danach portionsweise vakuumiert und einfriert! Bei Bedarf taut man dann die entsprechende Menge 1 Stunde vor dem Verzehr auf, entfernt erst dann die Verpackung und backt die Kuchenstücke ca. 10 Minuten lang bei nur 150° C im vorgewärmten Ofen auf!

Hauptinhaltsstoffe

Calcium, Eisen, Flavonoide, Fruchtsäure, Fruchtzucker, Kalium, Magnesium, Natrium, Pektin, Phosphor, Provitamin A, Rutin, Vitamin B 1, B 2, B 6, B 9, C, E, Zink.

Verwendung, Zubereitung

Pflaumen und Zwetschen sind gleichermaßen geeignet zum Frischverzehr, zur Herstellung von Trockenfrüchten, Kaltschalen, Klössen, Kompott, Pflaumenmus (Flauma-schmootsch: schles./ Laksem: saarld./ Latschmier: pfälz./ Latwersch: roxh./ Latwerge: hunsr./ Leckschmeer: hunsr./ Pflaumenkreide/ Powidl: böhm., österr./ Quetschekraut: westerwd./ Quetschhoing: mitteldt./ Schmeer: hunsr./ Schwettskenbottern: westf./ Zwetschengesälz: schwäb./ Zwetschenkompott/ Zwetschenkraut/ Zwetschenmus/ Zwetschgentauch: hess./ Zwetschenpfeffer/ Zwetschkenröster), Soßen (Tunken, Tummen: preuß.) und für die Zubereitung der facettenreichsten Süßspeisen. Vor der weiteren Verwendung sollten die Früchte gründlich mit warmem Wasser abgewaschen und abgerieben werden, weil sich in ihrem weißlichen Belag Schadstoffe aus der Luft angesammelt haben könnten! Für die Zubereitung von warmen Speisen (z.B. Mus, Kompott, Kuchen u.v.a.m.) sind Zwetschen den früher reifenden Pflaumen vorzu-ziehen, da diese während der Erhitzung sowohl ihre Form (sie zerfallen schnell) und Süße, als auch ihre Würze verlieren!

Lagerung

Frische, ungewaschene Pflaumen lassen sich im Kühlschrank zwar 3 bis 4 Tage lang aufbewahren, da sie jedoch das Reifegas ‚Ethylen‘ verströmen, sollten sie möglichst nicht zusammen mit anderen Früchten und Gemüsen gelagert werden, weil deren Verderb sonst beschleunigt wird.

Grünschalige Pflaumen reifen problemlos nach, wenn man sie bei Zimmertemperatur etwa 2 bis 3 Tage auf einer sonnigen Fensterbank aufbewahrt.

Volksmedizinische Bedeutung

Die wertvollen Inhaltsstoffe der Pflaume unterstützen Leber und Nieren, wirken sanft abführend, nervenstärkend, energiespendend, fiebersenkend, beugen Arterienverkal-kung vor und gelten als stoffwechselanregende Kost bei Patienten, denen vom Hausarzt eine kalorien- und kochsalzarme Diät aufgetragen wurde.

Magenempfindliche und vor allem ältere Personen sollten Zwetschen den Pflaumen vorziehen, weil Pflaumen – sobald sie nicht hinreichend zerkaut wurden – starke Leibschmerzen verursachen können!

Pflaumen sind aufgrund ihres hohen Wasser-Gehalts nicht nur herausragende Durstlöscher, obendrein enthalten sie viel weniger Zucker, als man von ihrem süßen Geschmack herannehmen sollte!

Tipp

Mit dem Wort Pflaumen-Pfingsten ist redensartlich eine unbestimmte Zeitangabe gemeint.

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